Luna und die Leiche ist eine Sammlung. 12 Text-Fragmente. Lesbar in jedweder Reihenfolge. Zusammen ergeben sie einen Kleinstadt-Krimi. Erzählen die Geschichte von Noah, seinem Hund und einer unschönen Entdeckung.
Luna und die Leiche ↗
Krimi, 2013-2014
Textauszug Kapitel 1
Noah warf den Stock soweit er konnte, warf ihn und wartete darauf, dass Luna apportieren würde, aber sie tat es nicht. Sie hatte eine Fährte aufgenommen und verschwand ein ganzes Stück weiter vorne im Dickicht, das den Uferhang überwucherte. «Luna», rief er, «komm zurück! » Vom Ufer her hörte er ein Bellen, dann aufgeregtes Winseln. Noah begann zu laufen. «He », schrie ihm Laura hinterher, «he Noah, warte! » Luna konnte jetzt nicht mehr weit entfernt sein. Noah schlug sich links in die Büsche und machte ein paar vorsichtige Schritte hangabwärts. Die Uferböschung war steil und Vorwärtskommen schwieriger als erwartet. Noah schob mit den Händen Zweige zur Seite und zwängte sich zwischen dicht gewachsenen Büschen hindurch. Das Winseln kam näher und er sah durch die Blätter schon das braun glänzende Fell seines Labradors.
Die Hündin schenkte ihm keine Aufmerksamkeit, als er hinter ihr ans Ufer trat, begutachtete stattdessen schwanzwedelnd den Fund, den sie soeben gemacht hatte. Noah begriff nicht sofort, was er sah. Er stand da, gelähmt, sein Gehirn eingefroren. Der Körper trieb im Wasser, die Beine waren an einem Ast hängen geblieben und das blonde Haar, bewegtesich leicht in der Strömung. Luna machte einen Schritt in den Fluss und leckte die Hand der toten Frau. Die Haut schimmerte weisslich, die Finger waren aufgedunsen. «Noah! », rief Laura, sie stand jetzt direkt hinter ihm, «Was macht ihr denn da? » Noah wollte antworten, wollte weglaufen, wollte den Blick von dem toten Körper abwenden, aber seine Lähmung hatte scheinbar auch seine Zunge eingefroren und die Augen, er sah nur noch die blonden Haare, die sich im Wasser träge hin und her bewegten.
Kim Corti
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